Safe Haven Assets

Safe Haven Assets - Was ist das

Safe Haven Assets- Was ist das?

Als Safe Haven Asset wird ein Anlageprodukt bezeichnet, welches sich in turbulenten und stressigen Marktphasen unkorreliert (schwacher sicherer Hafen) oder negativ korreliert (starker sicherer Hafen) zu einem anderen Vermögenswert oder Portfolio verhĂ€lt. Die Anlage in einem sicheren Hafen ist von einem Hedge abzugrenzen. So wird fĂŒr das Hedging auf Vermögenswerte zurĂŒckgegriffen, welche in normalen und durchschnittlichen Marktphasen nicht oder negativ mit einem anderen Vermögenswert oder Portfolio korrelieren.

Safe Haven Assets können dem Anleger in volatilen Marktzeiten sowie in Krisen dabei helfen, den Wert des Vermögens zu erhalten oder sogar zu erhöhen. Dies ist zum Beispiel wĂ€hrend einer wirtschaftlichen Rezession der Fall, wenn der Gesamtmarkt fĂŒr eine lĂ€ngere Zeit in eine Korrekturphase ĂŒbergeht. Solche Phasen des Aufruhrs fĂŒhren bei normalen Anlageprodukten teilweise zu massiven Verlusten des Marktwerts. Einige Anleger versuchen sich mit Hilfe von unkorrelierten oder auch negativ korrelierten Safe Haven Assets gegen solche unvermeidbaren systemischen Ereignisse zu schĂŒtzen. Dem gegenĂŒber können Hedging-Instrumente als Absicherung in normalen Zeiten dienen. Sobald allerdings Turbulenzen auftreten, sind sie nicht unbedingt geeignet.

Eigenschaften von Safe Haven Assets

Um das Portfolio in Krisenzeiten einer niedrigeren Schwankung auszusetzen, mĂŒssen Save Haven Assets gewisse Kriterien erfĂŒllen. Einige dieser Merkmale sind nachfolgend aufgefĂŒhrt. Es sei allerdings noch angemerkt, dass auch bei den als sicher geltenden Zufluchtsprodukten auf ein geeignetes Maß der Diversifikation geachtet werden muss.

LiquiditĂ€t – Der Vermögenswert sollte zu jeder Zeit problemlos gekauft und verkauft werden können. Dies erfordert einen aktiven Markt, der eine leichte Liquidation ermöglicht. Hierbei sollte auch auf die Spanne zwischen dem An- und Verkaufspreis geachtet werden, den sogenannten Spread.

Knappheit des Angebots – Preissteigerungen sind möglich, wenn die Nachfrage grĂ¶ĂŸer als das Angebot ist. Die Anleger brauchen demnach die Gewissheit, dass das Angebotswachstum das Nachfragewachstum nicht ĂŒbersteigt. Andernfalls sind nachhaltige Kursverluste des Vermögenswerts möglich, selbst wenn die Nachfrage steigt.

Werthaltigkeit – Es muss darauf geachtet werden, ob sich der Nutzen eines Vermögenswertes im Laufe der Zeit verschlechtert. So mĂŒsste der Besitzer einer Immobilie gewisse Abnutzungskosten fĂŒr die RentabilitĂ€t eines Objekts in seine Preiskalkulation einbeziehen.

Funktioneller Zweck – Das Anlagegut sollte mehr als nur ein reines Wertaufbewahrungsmittel sein. ZusĂ€tzliche Verwendungszwecke bilden die Ausgangsbasis fĂŒr Kaufinteresse an dem Vermögenswert und sorgen damit fĂŒr langfristige StabilitĂ€t der Nachfrage. Auf der anderen Seite kann ein Vermögenswert, fĂŒr den es keinen geeigneten Nutzen gibt, durch sinkende oder fehlende Nachfrage Wertverluste erleiden. Sofern dann auch noch die RentabilitĂ€t einer Anlage zweifelhaft ist, kann sogar der wertlose Verfall drohen.

ZukĂŒnftige Nachfragesicherheit – Der Anleger muss sich die Frage stellen, ob ein heute genutzter Vermögenswert auch noch zukĂŒnftig genutzt wird oder ob er womöglich ersetzt werden könnte. Wichtig hierbei ist die objektive EinschĂ€tzung darĂŒber, ob es einen zukĂŒnftigen Markt fĂŒr den Vermögenswert geben wird. Ohne dieses Vertrauen in einen zukĂŒnftigen Markt kann der Vermögenswert keinen Wert aufbewahren.

Welche Produkte gelten als sichere HĂ€fen?

Per Definition gilt jede Anlage als sicherer Zufluchtsort, dessen voraussichtlicher Verkaufspreis denselben Realwert erlösen wird, wie beim Ankauf zu entrichten war. Nachfolgend einige Beispiele:

Gold als sicherer Zufluchtsort

Edelmetalle wie Gold erfĂŒllen mehrere Kriterien der Safe Haven Assets, weswegen sie bereits seit vielen Jahren als sicheres Wertaufbewahrungsmittel angesehen werden. So handelt es sich bei Gold um ein physisches Gut, welches nur in einer begrenzten Menge verfĂŒgbar ist. Die Nachfrage nach diesem glĂ€nzenden Rohstoff, welcher sich auch als Energieleiter oder Schmuck verwenden lĂ€sst, wird von vielen Anlegern als sicher erachtet. Der funktionale Zweck ist damit gegeben.

Ebenso wird die Eigenschaft einer knappen Ressource erfĂŒllt, weil sich nicht unbegrenzt Gold zu angemessenen Kosten abbauen lĂ€sst. Dieser Aspekt hat bereits in mehreren Krisen dafĂŒr gesorgt, dass der Goldhandel eine WertbestĂ€ndigkeit zeigen konnte. Diese Eigenschaft macht es fĂŒr Investoren in wirtschaftlich schwachen Marktphasen als Absicherungsinstrument attraktiv. So finden Depotumschichtungen von volatileren Anlageprodukten in Gold oftmals statt, sobald voraussichtlich lĂ€nger andauernde KursrĂŒckgĂ€nge an den MĂ€rkten erkennbar werden. Die steigende Nachfrage nach dem begrenzten Gut sorgt dann wiederum fĂŒr höhere Preise.

Gold ist eine Ressource, welche sich weiterverarbeiten lĂ€sst. Dies fĂŒhrt auch dazu, dass der Preis des Rohstoffs sich an die Inflation anpasst. Sollte die Inflation demnach stark ansteigen, ist auch von Preissteigerungen beim Gold auszugehen. Anleger können dabei auf verschiedene Arten in die Absicherung durch Gold investieren. Neben der physischen Anlage können HĂ€ndler auch mit der liquideren Variante, in Form von derivativen Produkten, an der Goldpreisentwicklung partizipieren. Hierbei kann zum Beispiel ein CFD auf Gold gewĂ€hlt werden.

Einflussfaktoren auf den Goldpreis

Dennoch mĂŒssen auch die negativen Aspekte vom Gold betrachtet werden. So schafft Gold per se keinen Wert. Stattdessen stellt es nur eine Absicherung gegen Inflation, WĂ€hrungsrisiken und das Ausfallrisiko dar. Außerdem unterliegt der Goldpreis indirekt den EinflĂŒssen durch Zinsentscheidungen der Notenbanken. Demnach kann die AttraktivitĂ€t des glĂ€nzenden Rohstoffs durch steigende Leitzinsen im Vergleich zu anderen Vermögenswerten, wie den Bonds, gemindert werden. Ein weiterer Einflussfaktor ist der Dollarkurs. So sorgt ein starker Dollar dafĂŒr, dass Gold fĂŒr auslĂ€ndische KĂ€ufer teurer wird, wodurch die AttraktivitĂ€t eines Investments abnehmen könnte.

Bonds mit hoher BonitÀt

Anleihen werden von Unternehmen und LĂ€ndern zur Refinanzierung ausgegeben. Sie sind durch eine feste Laufzeit, einen Kupon sowie Rechte und Pflichten gekennzeichnet. Es handelt sich um ein Wertpapier, das dem GlĂ€ubiger das Recht auf RĂŒckzahlung sowie auf Zahlung vereinbarter Zinsen einrĂ€umt.

Die festverzinslichen Wertpapiere werden aufgrund von verschiedenen Faktoren durch Ratingagenturen bewertet und eingestuft. Einer der wichtigsten Faktoren hierbei ist die BonitĂ€t oder KreditwĂŒrdigkeit des Emittenten. Sie bestimmt, wie hoch der zu zahlende Kupon oder die Zinszahlung fĂŒr die Anleihen ausfĂ€llt. Der Anleger erhĂ€lt dadurch einen Hinweis darauf, wie wahrscheinlich es ist, dass er den gesamten Kapitaleinsatz nach der FĂ€lligkeit zurĂŒckerhĂ€lt.

Neben der Höhe des Kupons muss auch auf den aktuellen Kurs der Anleihe geschaut werden. Die meisten Anleihen notieren in Prozent des jeweiligen Nominalwerts. Ein Kurs von 102,00 bedeutet demnach, dass der KĂ€ufer 102,00% des Nominalwerts der Anleihe beim Kauf bezahlen muss, zuzĂŒglich eventueller StĂŒckzinsen. Eine Anleihe wird immer zum Nennwert zurĂŒckgezahlt, weswegen durch die Anlage Wertverluste drohen können. Ein wichtiger Einflussfaktor auf den Kurs der Anleihe stellt der Marktzins dar. Er ist von Bedeutung, wenn die Anleihe vor ihrer FĂ€lligkeit verkauft werden soll.

Als klassisches Beispiel fĂŒr einen sicheren Zufluchtsort im Anleihesegment gelten die amerikanischen Treasury Bills (T-Bills). Diese Schuldtitel sind durch den vollen Glauben und die hohe KreditwĂŒrdigkeit der US-Regierung abgesichert und werden daher selbst in turbulenten Marktphasen als sicherer Hafen betrachtet. T-Bills gelten als risikofrei, da der investierte Betrag bei FĂ€lligkeit der Rechnung vom Staat zurĂŒckgezahlt wird. In Zeiten von sehr niedrigen Leitzinsen besteht allerdings die Gefahr, dass der Anleger fĂŒr den Kauf von Anleihen mehr bezahlt, als er am Ende wieder zurĂŒckbekommt.

Risiken von Anleihen

Trotz der Einstufung als sicherer Hafen weisen auch Anleihen gewisse Gefahren auf. So ist bei den am besten eingestuften Anleihen das Ausfallrisiko zwar sehr gering, dennoch gibt es andere Risikofaktoren. Zu den wichtigsten zÀhlen das ZinsÀnderungs-, WÀhrungs-, Inflations- und LiquiditÀtsrisiko. Sie können alle relevant werden, sofern der Anleger einen Verkauf vor der FÀlligkeit plant oder sich die wirtschaftliche Lage im Land des Anleihegebers stark verÀndert.

Defensive Aktien

Trader mĂŒssen nicht unbedingt die Anlageklasse wechseln, um einen potenziellen sicheren Zufluchtsort zu finden. Sie können auch Aktien kaufen. So gibt es auch im Bereich des online Aktienhandels defensive Branchen, welche bei der Diversifikation helfen können. Zu diesen zĂ€hlen unter anderem Immobilienkonzerne, Versorger, das Gesundheitswesen und KonsumgĂŒter.

UnabhĂ€ngig vom Zustand des Marktes werden die Verbraucher weiterhin irgendwo wohnen mĂŒssen sowie Nahrungsmittel, Gesundheitsprodukte und Haushaltswaren erwerben. Daher werden Unternehmen, die in einem defensiven Sektor tĂ€tig sind, in Zeiten der Unsicherheit in der Regel geringere Verluste erleiden oder sogar ihren Wert steigern können.

LeitwÀhrungen

Der Forex-Markt bietet den Anlegern die höchstmögliche LiquiditĂ€t, doch nicht jede WĂ€hrung ist auch gleich ein sicherer Hafen. Um als sicherer Zufluchtsort zu gelten, muss eine WĂ€hrung zu den AnkerwĂ€hrungen zĂ€hlen. Dies verleiht ihr einen funktionalen Zweck, der sie von anderen WĂ€hrungen abhebt und wertbestĂ€ndiger erscheinen lĂ€sst. KryptowĂ€hrungen wie der Bitcoin zĂ€hlen dementsprechend nicht zu den sicheren HĂ€fen. Zu groß sind die VolatilitĂ€t sowie die Unsicherheit ĂŒber die die Werthaltigkeit und zu niedrig der funktionelle Zweck. So werden im Devisenhandel vor allem der US Dollar und der Schweizer Franken als Safe Haven Assets angesehen.

Der Kurs der jeweiligen WĂ€hrung wird maßgeblich durch Notenbank im jeweiligen Land beeinflusst. Je nachdem, wie sie ihre Leitzinsen oder AnleihekĂ€ufe verĂ€ndern, steigen oder fallen die Kurse der jeweiligen WĂ€hrung.

US Dollar

Der US Dollar ist seit dem Ende des ersten Weltkriegs die globale ReservewÀhrung der Welt geworden. Zuvor war es das britische Pfund. Als LeitwÀhrung bildet der US Dollar das Fundament, auf dem fast alle Devisenpreise basieren. Folglich ist es auch zugleich die liquideste WÀhrung. Wichtige FX-Paare werden unter Verwendung des US Dollars als GegenwÀhrung oder BasiswÀhrung gebildet. So zum Beispiel der EUR/USD.

Schweizer Franken

Im Devisenmarkt gilt der Schweizer Franken als sichere WĂ€hrung. Seine ISO-AbkĂŒrzung ist CHF. Angesichts der StabilitĂ€t der Schweizer Regierung und ihres Finanzsystems wird der Schweizer Franken in der Regel stark durch auslĂ€ndische Investoren nachgefragt. Die Schweiz verfĂŒgt ĂŒber einen großen, sicheren und stabilen Bankensektor, einen Kapitalmarkt mit niedriger VolatilitĂ€t, sehr geringe Arbeitslosigkeit, einen hohen Lebensstandard und eine positive Handelsbilanz. Die UnabhĂ€ngigkeit des Landes von der EuropĂ€ischen Union macht es auch zum Teil immun gegen negative politische und wirtschaftliche Ereignisse in der Region.

Vorteile der Anlage in einem sicheren Hafen

Zu den großen Vorteilen von Safe Haven Assets zĂ€hlt das relativ starke Kursverhalten in schwachen Marktphasen. Wenn der Gesamtmarkt in eine Krise ĂŒbergeht, ist es mit unkorrelierten oder sogar negativ korrelierten Anlageformen möglich, das Depot zu schĂŒtzen und in gewissen Phasen sogar Kursgewinne zu erzielen. Sie sind zudem weniger volatil, wodurch der Wert des Depots geringeren Schwankungen unterliegt.

Nachteile der Anlage in einem sicheren Hafen

Wenn sich der Markt in einem Aufschwung befindet, verzeichnen Safe Haven Assets oftmals einen schwĂ€cheren Kursanstieg. Folglich muss der Anleger die Marktphasen erkennen und rechtzeitig ĂŒber einen Kauf bzw. Verkauf entscheiden.

Sofern der Kauf in einer Crash-Phase zu spÀt erfolgt, verliert die Absicherungswirkung an Kraft. Auf der anderen Seite darf der Verkauf allerdings auch nicht zu spÀt erfolgen, da ansonsten nicht das volle Potenzial einer startenden AufwÀrtsbewegung ausgeschöpft wird.

Investieren in Form von CFDs

Contracts for Difference (CFD) sind derivative Anlageprodukte, mit welchen an der Kursentwicklung eines Basiswerts partizipiert werden kann. Dabei schließt der KĂ€ufer des CFD mit dem Broker einen außerbörslichen Vertrag ab, wodurch er nicht Inhaber des Basiswerts, sondern einer Forderung wird. Diese ermöglicht es dem KĂ€ufer, mit einem geringeren Kapitaleinsatz eine Hebelwirkung zu nutzen. Anders als der KĂ€ufer einer Aktie wird der CFD-Anleger ausschließlich an der Kursentwicklung des Finanzinstruments beteiligt. CFDs zĂ€hlen damit zur Gruppe der finanziellen DifferenzgeschĂ€fte.

Der Anleger kann mit einem CFD sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse des Basiswerts spekulieren. Er muss sich allerdings bewusst sein, dass die Hebelwirkung des Derivats auch gegen ihn laufen kann und somit im schlimmsten Fall der Totalverlust des Kapitaleinsatzes droht.

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