
Was ist ein Trend?
Trading Rules • 9 Min
Eine gängige Maxime beim Investieren lautet, man solle „günstig kaufen und teuer verkaufen“. In der Praxis bedeutet dies meist, Aktien zu kaufen, wenn sie unterbewertet sind, und sie zu verkaufen, wenn sie überbewertet erscheinen.
Aus diesem Grund ist es von entscheidender Bedeutung, den korrekten Wert einer Aktie ermitteln zu können. Nur wenn Sie den intrinsischen, also den wahren oder fairen Wert einer Aktie bestimmen, können Sie einschätzen, ob das Papier über- oder unterbewertet ist.
Die Aktienbewertung ist ein zentraler Aspekt des aktiven Investierens, da sie Anlegern hilft, einer Aktie ihren fairen inneren Wert zuzuweisen. Dieser innere Wert dient im Anschluss als fundamentaler Bezugspunkt für die Entscheidung, ob die zugrunde liegende Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt gekauft oder verkauft werden sollte.
Eine Aktienbewertung erfolgt durch die Analyse der fundamentalen Eigenschaften des Geschäftsmodells eines Unternehmens. Zu den am häufigsten angewandten Methoden zur Bestimmung des inneren Wertes einer Aktie zählen der Gewinn je Aktie (Earnings Per Share – EPS), das Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF) und das Substanzwertverfahren (Asset-based Valuation).
Der EPS entspricht dem Nettogewinn eines Unternehmens dividiert durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Der Gewinn je Aktie ist eine essenzielle Kennzahl bei der Aktienbewertung, da er aufzeigt, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, Gewinne für seine Aktionäre zu erwirtschaften.
Die wirkliche Aussagekraft des EPS zeigt sich jedoch erst im direkten Vergleich mit Mitbewerbern aus derselben Branche. Ein höherer EPS bedeutet in der Regel, dass ein Unternehmen profitabler wirtschaftet und seinen Aktionären entsprechend höhere Erträge liefert.
Gleichwohl weist der EPS auch Schwächen auf: Unternehmen können ihn durch bilanzielle Gestaltungsspielräume oder durch Aktienrückkäufe (die die Anzahl der ausstehenden Aktien reduzieren) künstlich verzerren.
Das DCF-Verfahren hingegen wird angewendet, um die Attraktivität einer Aktie auf Basis künftig prognostizierter freier Cashflows zu beurteilen. Im ersten Schritt werden alle künftigen Zahlungsströme eines Unternehmens geschätzt und anschließend auf die Gegenwart abgezinst, um ihren Barwert (Present Value) zu ermitteln.
Alle Barwerte werden im Anschluss addiert, um den intrinsischen Wert einer Aktie zu bestimmen. Liegt der DCF-Wert über dem aktuellen Marktkurs, bietet die Aktie potenziell eine hervorragende Einstiegsgelegenheit.
Das DCF-Modell gilt als der beste und präziseste Weg, den inneren Wert einer Aktie zu erfassen, da es eine Fülle wesentlicher Geschäftsfaktoren wie Wachstumsraten, Kapitalkosten und die Reinvestition von Gewinnen berücksichtigt.
Darüber hinaus lassen sich beim DCF-Ansatz auch dynamische und wichtige Aspekte wie strategische Neuausrichtungen integrieren. Der einzige Nachteil des Verfahrens besteht darin, dass es sich primär für langfristige Anlagestrategien eignet. Überdies birgt die Kalkulation auf Basis von „Annahmen“ über künftige Cashflows stets ein gewisses Risiko, wenngleich dieses durch Anpassungen der Variablen eingegrenzt werden kann.
Das Substanzwertverfahren (Asset-based Valuation) ist die rudimentärste Methode zur Feststellung des intrinsischen Wertes einer Aktie. Es summiert sämtliche materiellen und immateriellen Vermögenswerte eines Unternehmens und zieht im Anschluss alle Verbindlichkeiten davon ab.
Allerdings blendet die Substanzwertermittlung jegliche künftigen Wachstumsaussichten aus und liefert im Vergleich zu anderen Bewertungsverfahren oftmals einen geringeren intrinsischen Unternehmenswert.
Trotz der Markteffizienzhypothese (EMH), die besagt, dass Aktien an den Börsen zumeist zu ihrem fairen Wert gehandelt werden, sind Märkte in der Realität selten vollkommen effizient. Ursächlich hierfür sind Faktoren wie die Marktpsychologie, menschliche Emotionen, Informationsasymmetrien oder auch geringe Liquidität.
Gerade diese Marktineffizienzen bilden das Fundament des Value-Investings (wertorientiertes Anlegen), bei dem Investoren gezielt Aktien suchen, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Die Überzeugung dahinter: Der Markt wird die Fehlbepreisung im Laufe der Zeit korrigieren, was Value-Investoren ansehnliche Gewinne beschert.
Das Value-Investing unterscheidet sich grundlegend vom Growth-Investing (wachstumsorientiertes Anlegen), bei dem Anleger davon ausgehen, dass eine Wachstumsaktie im Grunde nie „zu teuer“ ist und das Unternehmen den Markt sowie seine Akteure durch fortwährend hohes Wachstum weiterhin übertreffen wird.
Das Aufspüren unterbewerteter Aktien ist ein zentraler Pfeiler des Value-Investings. Die Fundamentalanalyse geht davon aus, dass Marktpreise stets dazu tendieren, auf ihren fairen oder intrinsischen Wert zu korrigieren. Daher ist es entscheidend, Qualitätsaktien (nicht zwingend „Billigaktien“) zu finden, deren aktueller Kurs deutlich unter ihrem fairen Marktwert liegt. Die Gründe für die unfaire Bepreisung einer Qualitätsaktie am Markt sind vielfältig: Sie reichen von negativen Nachrichten und Reputationsschäden über falsch interpretierte Quartalszahlen bis hin zu Branchentrends und Konjunkturzyklen.
Nachfolgend finden Sie einige fundamentale Kennzahlen, die Ihnen helfen, unterbewertete Aktien zu identifizieren:
Das Erkennen überbewerteter Aktien hilft Investoren bei der Umsetzung strategischer Maßnahmen, etwa dem Verkauf von Anteilen oder der gezielten Suche nach Short-Trading-Chancen (Leerverkäufe) an Derivatemärkten wie dem CFD-Handel. Der Markt geht grundsätzlich davon aus, dass die Kurse überbewerteter Aktien fallen werden, sobald sich die Bewertungen wieder dem inneren Wert annähern. Eine Überbewertung kann durch plötzliche Kaufwellen, positive Nachrichten, Branchenhypes oder Höhepunkte im Wirtschaftszyklus ausgelöst werden.
Folgende fundamentale Kennzahlen helfen Ihnen, überbewertete Aktien zu identifizieren:
Die Betrachtung historischer Marktbewegungen verdeutlicht, wie sich Bewertungslücken in der Praxis auswirken:
Möchten Sie die Chancen von morgen aufspüren? Eröffnen Sie ein Demokonto, um die Erkenntnisse aus diesen Fallstudien auf echte Echtzeit-Marktdaten anzuwenden.
Eine schnelle Übersicht, um das richtige Werkzeug zu wählen – und zu wissen, wann Vorsicht geboten ist:
| Kennzahl | Ideal für | Achtung bei |
| Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) | Vergleich stabiler, profitabler Unternehmen | Zyklischen Branchen oder negativen/fehlenden Gewinnen |
| Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) | Anlageintensive Sektoren (Banken, Versicherungen) | Unternehmen mit hohen immateriellen Vermögenswerten (Tech, starke Marken) |
| EV/EBITDA | Unternehmen mit unterschiedlicher Schuldenlast | Unternehmen mit volatilen nicht-zahlungswirksamen EBITDA-Posten |
| Discounted Cashflow (DCF) | Langfristige Bestimmung des inneren Werts | Hoher Sensitivität gegenüber dem Abzinsungssatz und der ewigen Wachstumsrate |
Selbst die renommiertesten Bewertungsinstrumente können unter bestimmten Marktbedingungen oder branchenspezifischen Eigenheiten in die Irre führen:
Watchlist-Tipp: Legen Sie klare Schwellenwerte für den fairen Wert fest und lassen Sie sich von Kursalarmen bei der Suche nach Chancen unterstützen:
Praxistipp: Erproben Sie diese Alarme in einem Demokonto, um Ihre Schwellenwerte zu justieren und unnötiges Signalrauschen zu vermeiden, bevor Sie mit Echtgeld handeln.
Der CFD-Markt bietet ein exzellentes Umfeld, um über- und unterbewertete Aktien zu handeln. Wenn Sie CFDs handeln, erwerben Sie nicht die physische Aktie, sondern spekulieren auf deren Kursentwicklung. CFDs beinhalten den Handel mit Hebelwirkung sowie niedrige Transaktionskosten, zudem können Händler Aktien völlig ohne Restriktionen auch leerverkaufen (Short gehen).
Hier sind einige Ansätze für den Handel von über- und unterbewerteten Aktien auf CFD-Märkten:
Haben Sie eine Handelschance entdeckt?
Ja. Wenn extrem hohe Wachstumserwartungen die Bewertungskennzahlen weit über den Branchendurchschnitt treiben, genügt ein einziger verfehlter Quartalsgewinn, um heftige Ausverkäufe auszulösen.
Achten Sie auf Bewertungskennzahlen (wie KGV oder KBV), die klar unter dem historischen Durchschnitt des Unternehmens oder der Konkurrenz liegen, und prüfen Sie parallel, ob die fundamentalen Daten dennoch robust sind.
Für die meisten Einsteiger bietet das KGV einen klaren und verständlichen Ausgangspunkt – insbesondere bei profitablen Unternehmen –, bevor für eine detailliertere Analyse Kennzahlen wie EV/EBITDA oder DCF-Modelle herangezogen werden.
Kombinieren Sie stets mehrere Kennzahlen und beziehen Sie das wirtschaftliche Umfeld des Unternehmens ein; keine Kennzahl allein liefert ein vollständiges Bild.